Seine Sehschule hat´s in sich: Von blind bis verblendet – jeder ist bei ihm bestens beraten.

Markus 8,22–26 / Matthäus 15,14

 

Sie kamen nach Betsaida. Da brachte man einen Blinden zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm den Blinden bei der Hand, führte ihn vor das Dorf hinaus, bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte ihn: Siehst du etwas? Der Mann blickte auf und sagte: Ich sehe Menschen; denn ich sehe etwas, das wie Bäume aussieht und umhergeht. Da legte er ihm nochmals die Hände auf die Augen; nun sah der Mann deutlich. Er war geheilt und konnte alles ganz genau sehen. Jesus schickte ihn nach Hause und sagte: Geh aber nicht in das Dorf hinein!

Mk 8, 22–26

 

Wenn das so einfach wäre, wie es sich hier anhört. Der Mann sah zunächst etwas und bekam eine Ahnung davon, was es sein könnte. Dann sah er deutlich und ganz genau. Wenn ich diese Situation auf mich übertrage, dann frage ich mich, ob ich eigentlich immer alles so deutlich sehen will. Ist das Leben nicht viel einfacher, wenn ich vieles nicht so deutlich sehe? Eher etwas verschwommen und unscharf? Wenn ich aber ganz deutlich sehe, warum der Mensch neben mir so ist, wie er ist, dann muss und wird das auch Konsequenzen für mein Verhalten haben. Dann wird sich im Miteinander sicher etwas ändern. Jesus fordert uns immer wieder auf, genau hinzusehen und dadurch unsere Mitmenschen und die Welt deutlich wahrzunehmen. Es nutzt aber auch hier nichts, immer auf die anderen zu schauen. Ich muss bei mir selbst anfangen. „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann wird sich das Angesicht der Erde verändern.“ Auch dieses afrikanische Sprichwort fordert mich immer wieder auf, genau hinzusehen.

Wolfgang Tuschhoff