Ich war schon oft an diesem Ort. Ich mag ihn einfach, denn hier kann ich abschalten und da sein. Hier kann ich nachdenken und wieder zu mir selbst kommen, das ganze Jahr über. Hier bin ich mitten in der Natur und vor allem am Wasser, was mich seit Jahren magisch anzieht. Manchmal gehe ich hier ganz langsam, bewusst und bedacht - ein paar Schritte für einen Gedanken. Oft laufe ich aber auch ganz schnell, manchmal so schnell es geht. Es muss dann was raus. Das tut gut. Bringt Klarheit. Er ist mittlerweile zu meinem Lieblingsort geworden. Wenige Meter entfernt vom Lippesee bin ich aufgewachsen. Meine Heimat ist Elsen, aber auch dieser See. Hier kenne ich jede schöne Ecke der Ruhe und Kraft. Auch jede neue Baustelle. Meine Sinne fühlen sich zu Hause - hier mittendrin in der grün-blauen Oase. Hier ist Gott ganz nah. Hier kann er mich erreichen. Hier ist er gut ansprechbar. Was ist dein Weg? Im Leben und im Beruf. Auch heute - Sommertag 2007 - bin ich an diesem Lieblingsort. Eine Entscheidung war kurz zuvor gefallen. Viele Jahre wollte ich Priester werden. Hab mich auf den Weg gemacht. Jetzt wollte ich raus. Ein zu hoher Preis. Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Lehrer sein ist toll. Doch wie nur werden? Ein weiter Weg. Viele Unis lehnen ab. Mein Abi war doch gar nicht schlecht. Der NC in diesem Jahr viel zu hoch. Ich war frustriert, traurig und hoffnungslos. Traumberuf ade und keinerlei berufliche Perspektive in Sicht. Viele Gedanken. Zweifel, ob die Entscheidung richtig war. Muss das alles sein? Und das alles hier an meinem Lieblingsort! „Wenn Gott eine Türe schließt, dann öffnet er ein Fenster. Er ist bei dir, trägt dich durch diese schwierigen Zeiten, auch durch deine Ungewissheit und Zweifel. ER wird dir Kraft geben!“ Aha. Ach ja, stimmt. Heute war ich nicht alleine an meinem Lieblingsort. Ich hatte einen guten Freund gebeten, mich zu begleiten. Er war noch da. Er kennt mich gut. Wir hatten den See einmal umrundet. Er schwieg die ganze Zeit. Ich ließ alles raus. Jetzt diese Sätze. Nach 7 km Fußweg. Von ihm. Das saß. Aber ist es so einfach? Nein. Er hatte recht behalten. Heute bin ich IHM begegnet.


Wie trifft man Gott – wenn Gott, der Vater, das Geheimnis, sich der Begegnung entzieht, wenn er der ist, der radikal anders ist? Gott ist für mich nicht fassbar. Gott ist der, der mein Denken übersteigt. Und der mir damit gleichzeitig die Ahnung davon gibt, dass es mehr geben muss, als ich mir vorstellen kann. Und dieses mehr kann ich erahnen. Ich erahne Gottes Spuren in der Schönheit meiner Welt, in dem Blau des Himmels, das mir unwirklich erscheint, in der Weite des Meeres, die ich nicht fassen kann, in einer Landschaft, die nicht schöner hätte gemalt sein können. Ich fühle in diesen Momenten ein tiefes Ergriffensein, ja, vielleicht eine Begegnung. Vor allem aber ahne ich Gott durch sein Wort. Sein Wort, dass er uns in diese Welt hineingegeben hat, das mein Herz berührt und ihn für mich dadurch doch wieder greifbar werden lässt. Und wenn ich nicht über ein erahnen sprechen will, dann gibt es letztlich für mich nur eine Begegnung mit Gott. In meinem Nächsten. In der Zuwendung zum und durch den Anderen. Dass Gott sich mir in dieser Begegnung schenkt. Und wenn ich bete, dann weiß ich, dass ich erfüllt bin von Hoffnung und dass es einen Sinn in diesem Leben gibt, der schlichtweg nicht ins Leere läuft. Und so oft es schon gesagt worden ist, und so einfach es klingt, es ist doch die tiefste Wahrheit in dieser einen Aussage: Ich habe mich Gott zugewandt – und er lässt mich nicht mehr los.


Ihre Mentoren an den Universitätsstandorten Dortmund und Siegen: