Leeres Gerede kam ihm nicht über die Lippen. Er brillierte vor allem mit guten Fragen. Weniger mit Worthülsen. Markus 12,15–17

 

Alles Nachdenken, jegliches Reden – es funktioniert nicht ohne Sprache. Sprache ist so grundlegend, so bedeutend, dass sie meine Welt ausmacht. Die Sprache der Bibel, die Sprache, in der ich etwas über Jesus erfahre, lässt mich oft nachdenklich zurück, und ich bin verwundert darüber, wie sehr mich diese Worte bewegen können und wie viel sie in mir auslösen. Die Schönheit der Worte und die Tiefe, die sich in ihnen zeigt, faszinieren mich. Die Sprache – genauso wie das Ausgesagte – lässt mich oft buchstäblich sprachlos zurück. Ich liebe es, Bücher und Gedichte zu lesen, schon immer. Als ich früher mit meinen Eltern in den Sommerurlaub fuhr, gab es immer einen kleinen Bücherkoffer für mich, der mitmusste, damit ich den ganzen Tag am Meer sitzen und lesen konnte. Ich habe dabei alles um mich herum vergessen. Heute lese ich weniger – trotzdem, meine freie Zeit verbringe ich nicht ohne ein Buch, das mich fesselt. Jesus brillierte vor allem mit guten Fragen. So empfinde ich es auch in meiner Tätigkeit in der Schülerpastoral und im Mentorat: Miteinander ins Gespräch kommen, im Austausch sein, das ist das, was zählt. Wichtiger als die Antworten sind meistens unsere Fragen. Was glaubst du? Was liebst du? Was hoffst du? Oft gibt es darauf Antworten, die mich tief bewegen, die mich zum Nachdenken bringen, die mich verwundern oder meine Neugier wecken. Letztlich aber kommt es darauf an, die Fragen zu stellen. Die Fragen, die etwas auslösen, die etwas in Bewegung setzen. Sie kommen ganz ohne leeres Gerede aus.

Melina Lohmann


Jesus sagte seinen Freunden, dass er sofort einziehen würde, wenn jemand mit ihm in einer WG wohnen wollte. Er bringt auch den Müll runter.

Johannes 14,23

 

Jesus als guter Kumpel, der mit seinen Freunden zusammen in eine WG zieht und sogar selbst den Müll runterbringt … als Menschensohn, als Gottes Sohn, als Messias? Das gibt’ s doch gar nicht! Ich habe noch nie in einer WG gelebt, denn ich brauche meine Freiräume – im Alltag und vor allem in meinen eigenen vier Wänden. Während meiner Studienzeit hörte ich immer wieder von Freunden, wie toll es ist, in einer WG zu leben. Es ist immer was los, es wird nie langweilig, viele Partys, und die Mitbewohner sind wie eine kleine – vielleicht auch neue – Familie. „Wir haben gelacht, geweint, gestritten, gefeiert und wenig geputzt – typisch WG, oder?“, so die Aussage vieler meiner Studienfreunde. Die WG-Partys und das Miteinander waren toll, das stimmt. Das Aufräumen und der Kater danach aber eher weniger. Müll blieb oft tagelang liegen. Verantwortlichkeiten wurden manchmal nicht eingehalten, alles allzu menschlich. Wird halt morgen gemacht. Viele WGs zeichnen sich durch eine gewisse Zwanglosigkeit, Gelassenheit und Lockerheit aus. Das pure Leben und eigentlich ist immer jemand zu Hause, der für einen da ist. Jederzeit? Jesus bietet sich mir als Mitbewohner an. Ganz zwanglos, gelassen und locker möchte er einziehen in mein Leben. Als Mitbewohner, der sich für nichts zu schade ist. Aber auch als ein verbindlicher Mitbewohner, auf den immer Verlass ist, den ich ansprechen darf, egal wie spät es ist oder wie lang die Party am Abend war. Der mir zuhört und gnädig zu mir ist, wenn ich es selbst gerade nicht mit mir sein kann. Jesus als mein Mitbewohner hat immer ein Mut machendes Wort für mich und gibt mir durch seine Ideale Kraft für meinen Alltag, im Beruf und in meinen eigenen vier Wänden. Er ist ein Mitbewohner, der auch dann bei mir ist, wenn ich meine Wohnung verlasse und rausgehe in die Welt. Das gibt mir eine zwanglose und lockere Gelassenheit in meinem Leben. Er schenkt mir Freiräume!

Hans-Bodo Markus


Seine innere Uhr holte ihn vor Morgenanbruch aus den Federn und rief ihn zum Frühstück für Geist und Seele.

Markus 1,35

 

Am Morgen, als es noch dunkel war, verließ Jesus die Stadt.Er ging an einen einsamen Ort und betete dort.

Mk 1, 35

 

Zugegeben – mich holt eher selten meine innere Uhr vor Morgenanbruch aus den Federn, meist ist es eher der Wecker, der mich zum Aufstehen mahnt. Aber mit Jesus habe ich zumindest gemeinsam, dass es dann in der Regel noch sehr früh am Tag ist. Jesus geht an einen einsamen Ort und betet dort. Spannend, dass auf dieser Karte dann ausgerechnet eine Kaffeemaschine auftaucht. Ich liebe Kaffee und merke, dass mir dieses Getränk hilft, den nötigen Anschub zu bekommen, wenn ich morgens noch müde in den Tag starte oder mich am frühen Nachmittag das Mittagstief überkommt. Jesus scheint diesen äußeren Antrieb nicht zu brauchen. Er kümmert sich auch morgens nicht in erster Linie um sich selbst und sein Wohlergehen. Er sucht vielmehr die Einsamkeit und widmet sich dem Gebet. Ich bin mir sicher, er tut dies mit einem überaus wachen Geist. So einen wachen Geist schon am frühen Morgen wünsche ich mir auch. Dazu innere Ausgeglichenheit und Gelassenheit, auch wenn es beim Verlassen des Hauses mit meinen Kindern wieder einmal stressig wird. Der wache Geist Jesu und seine innere Ruhe resultieren aus dem bewussten Sich-Zurückziehen von den Menschen, denen er sonst so zugewandt ist, und der Hinwendung zu Gott, seinem Vater, im Gebet. Aus dieser Ausrichtung auf Gott schöpft er Kraft für den Tag. Vielleicht lässt sich das ja kombinieren mit meinem Ritual des morgendlichen Kaffeeaufbrühens und Kaffeetrinkens. Ich werde es ausprobieren, das Frühstück für Geist und Seele: Zeit für mich, Zeit für Gott und eine Tasse Kaffee! Ich bin mir sicher: Aus diesem ruhigen Moment zu Beginn des Tages kann auch ich Kraft schöpfen, um mich dann den Menschen zuzuwenden, die mir begegnen – meiner Familie, den Kolleginnen und Kollegen in der Abteilung und all den Menschen, auf die ich in meiner Arbeit in den unterschiedlichsten Schulen treffe.

Indra Wanke